Einen feinen Haarriss im Abwasserrohr erkennen Sie von außen nicht – bis irgendwann Wasser im Keller steht oder das Pflaster über der Leitung absackt. Die Kanal-TV-Inspektion zeigt Schäden im erdverlegten Rohr sichtbar an, und die Dichtheitsprüfung weist nach, ob die Leitung wirklich dicht ist. Viele Hausbesitzer in und rund um Biedenkopf stellen sich vorab zwei Fragen: Was kommt da an Kosten auf mich zu, und muss ich überhaupt dabei sein? Dieser Ratgeber erläutert Ihnen den Ablauf, die Logik hinter dem Preis und worauf es bei der Prüfung nach DIN 1986-100 erfahrungsgemäß ankommt.
Was geschieht bei einer Kanal-TV-Inspektion?
Bei der TV- oder Kamera-Inspektion schiebt sich eine kompakte, selbstfahrende Kamera durch die Abwasserleitung. Sie liefert ein Live-Bild nach oben, gleichzeitig wird die Strecke aufgezeichnet und die Position jedes Befunds metergenau dokumentiert. Dadurch lässt sich genau nachvollziehen, an welcher Stelle im Rohr ein Problem liegt – ob gleich hinter dem Hausanschluss oder erst etliche Meter weiter draußen unter dem Garten.
Sichtbar werden dabei die typischen Schäden, die man sonst nur vermuten kann – etwa Risse oder eingewachsene Wurzeln, aber auch eine Verjüngung durch Ablagerungen. Diese Verjüngung verengt den Querschnitt unbemerkt, bis die Leitung bei kräftigem Regen oder viel Abwasser nicht mehr hinterherkommt. Vor einem Kauf, nach einem Rückstau oder bei immer wiederkehrenden Verstopfungen schafft die Kamera die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen.
Dichtheitsprüfung: Wie läuft sie ab und was wird geprüft?
Die Dichtheitsprüfung geht einen Schritt weiter als die reine Kamera-Inspektion. Während die TV-Untersuchung aufzeigt, wie das Rohr innen aussieht, weist die Dichtheitsprüfung nach, ob es auch tatsächlich dicht ist. Maßgeblich ist dabei die DIN 1986-100, die die Anforderungen an private Grundstücksentwässerungsanlagen festlegt. Untersucht werden die erdverlegten Abwasserleitungen auf dem Grundstück – also die Leitungen vom Haus bis hin zum öffentlichen Kanal, einschließlich Schächte und Anschlüsse.
Der typische Ablauf
- Vorreinigung und KamerafahrtZunächst wird die Leitung gespült und per Kamera befahren, um ihren Zustand und ihren Verlauf festzuhalten.
- Abschnitt absperrenDer zu prüfende Leitungsabschnitt wird mit Absperrblasen verschlossen, damit sich ein definierter Prüfdruck aufbauen lässt.
- Prüfung mit Wasser oder LuftJe nach Leitung wird mit Wasser- oder Luftdruck kontrolliert, ob der Druck über die vorgegebene Zeit konstant bleibt.
- Protokoll erstellenDas Ergebnis wird in einem Prüfprotokoll festgehalten – es dient als Grundlage für Behörden, Versicherung oder einen Kaufvertrag.
Muss der Eigentümer dabei sein?
Eine Frage, die uns erfahrungsgemäß häufig gestellt wird: Muss ich während der Prüfung vor Ort sein? Zwingend ist das nicht – die eigentliche Arbeit übernimmt der Fachbetrieb. Sinnvoll ist Ihre Anwesenheit dennoch, zumindest zu Beginn und am Schluss. Zum Start benötigen wir Zugang zu den Reinigungsöffnungen oder zum Keller. Und am Ende lohnt es sich, gemeinsam auf den Bildschirm zu blicken: Befunde lassen sich am Live-Bild deutlich anschaulicher erklären als später anhand eines Protokolls.
Wer verhindert ist, kann die Prüfung übrigens auch nach Absprache durchführen lassen und das dokumentierte Ergebnis im Nachgang besprechen. Entscheidend ist allein, dass der Zugang zu den relevanten Öffnungen geklärt ist, bevor wir anrücken.
Kostenlogik: Was den Preis beeinflusst
Eine seriöse Pauschale lässt sich aus der Ferne schlicht nicht nennen. Was sich jedoch benennen lässt, sind die Faktoren, die den Aufwand in die Höhe treiben – und damit auch die Rechnung. Wer diese kennt, kann am Telefon gleich die passenden Angaben machen und erhält so ein belastbares Angebot statt einer groben Schätzung.
Was den Preis einer Kanal-TV-Inspektion beeinflusst
| Was den Preis beeinflusst | Wirkung | Woran Sie es erkennen |
|---|---|---|
| Zugänglichkeit der Leitung | Fehlt eine Reinigungsöffnung, steigt der Aufwand für den Zugang | Keine sichtbaren Schächte oder Revisionsöffnungen im Haus oder Garten |
| Zustand des Rohrs | Stark verschmutzte Leitungen müssen vor der Kamerafahrt gespült werden | Wiederkehrende Verstopfungen, Gerüche, langsamer Abfluss |
| Länge und Verlauf | Mehr Meter und viele Abzweige bedeuten mehr Prüfabschnitte | Großes Grundstück, verwinkelte Leitungsführung, mehrere Anschlüsse |
| Umfang der Leistung | Reine Kamerafahrt oder zusätzlich Dichtheitsprüfung mit Protokoll | Zweck: Kauf, Behördenauflage, Schadenssuche |
| Terminlage | Notdienst außerhalb der regulären Zeiten ist aufwendiger als ein geplanter Termin | Notdienst bei akutem Wasserschaden |
Kostentreiber statt fester Preise – die konkrete Höhe nennt der Betrieb nach Sichtung der Lage.
Wann lohnt sich die Untersuchung – und wann wird daraus eine Sanierung?
Eine Kanal-TV-Untersuchung ist immer dann sinnvoll, wenn ein belastbarer Nachweis über den Zustand der Leitung benötigt wird – etwa gegenüber einer Behörde oder vor einer anstehenden Sanierungsentscheidung. Zeigt die Kamera lediglich Ablagerungen oder eine beginnende Verjüngung, genügt erfahrungsgemäß eine gründliche Reinigung. Erst wenn Risse oder undichte Muffen zutage treten, wird aus der Reinigung eine Sanierung.
Für viele dieser Schäden muss heute übrigens gar nicht mehr aufgegraben werden. Mit grabenloser Technik – etwa einem Schlauchliner oder Kurzliner – lässt sich die vorhandene Leitung von innen erneuern, ohne dass Garten oder Einfahrt aufgerissen werden müssen. Das dokumentierte Kamerabild gibt vor, welches Verfahren in Frage kommt. Die Inspektion liefert damit die Grundlage, um teure Fehlentscheidungen von vornherein zu vermeiden.






